Korczak

Seit 1991 inszeniert das Experimentelle Theater Günzburg unter der Autorenschaft und Regie von Siegfried Steiger mehrere Produktionen, die sich mit dem Leben und dem Werk von Janusz Korczak auseinandersetzen.

WER WAR JANUSZ KORCZAK? 

Der Pädagoge, Arzt und Schriftsteller Janusz Korczak, der 1878 oder 1879 als Henryk Goldszmit in Warschau geboren wurde, nimmt eine Vorreiterrolle in der Kinderrechtsdiskussion ein. 

Noch bevor die internationale Gemeinschaft mit der Genfer Erklärung 1924 eine erste Deklaration über die Rechte der Kinder verabschiedete, appellierte er in seinen Schriften an die Erwachsenen, Kinder als vollwertige Menschen zu achten. 

Er formulierte Grundrechte für Kinder und setzte diese in seiner pädagogischen Praxis um. 

Nach dem Abschluss seines Medizinstudiums arbeitet er ab 1906 als Arzt in einer Warschauer Kinderklinik, bis er sich schließlich ganz der „Sache des Kindes“ verschreibt.

Im Jahre 1912 eröffnet er das jüdische Waisenhaus „Dom Sierot“ (Haus der Waisen) in der Krochmalnastraße 92 in Warschau, das er 30 Jahre lang als Direktor leitet. Zusammen mit Maryna Falska betreut er ein zweites Haus für polnische Waisen „Nasz Dom“ (Unser Haus).

Im „Dom Sierot“ profiliert Korczak seine Ideen zu einem Erziehungsprogramm, das auf dem „Recht des Kindes auf Achtung und Liebe“ gründet, treu seinem frühen Credo „Kinder werden nicht erst Menschen, sie sind es bereits.“ 

  • Er ruft die erste Kinderzeitung der Welt ins Leben (1926)
  • und erprobt Formen des demokratischen Zusammenlebens von Kindern (Kinderparlament, Gesetzbuch,  Kameradschaftsgericht etc.).
  • Zusätzlich zur Leitung der beiden Waisenhäuser hat Korczak Posten als Dozent für Sonderpädagogik sowie als Gutachter am Jugendgericht inne.
  • Nach der deutschen Besetzung Polens muss Korczak 1940 mit seinen Waisenhauskindern von der Krochmalnastraße ins Getto übersiedeln. 
  • Von dort aus wird er im August 1942 zusammen  mit seiner engsten Mitstreiterin Stefania Wilczyńska, weiteren Mitarbeitern und über 200 Kindern  nach Treblinka deportiert und ermordet. 

Obwohl Korczak mehrere Angebote zu seiner persönlichen Rettung erhält, lehnt er diese ab, weil er die Kinder nicht im Stich lassen will.

Bereits zu Lebzeiten erwirbt sich Korczak einen internationalen Ruf durch literarische Tätigkeit.

1972 erhält Korczak posthum den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels.

Die Titel unserer Korczak-Produktionen lauten

Korczak – ein Konfrontationsspiel

(Uraufführung: Günzburg 1991)

(Leben und Werk des polnisch-jüdischen Pädagogen, Kinderarztes und Schriftstellers Janusz Korczak, 1878-1942)


 Inmitten weiter Ferne. Janusz Korczaks Weg ins Licht.                                             Ein Gedankenzyklus

(Uraufführung: Ichenhausen 1994)

(Worte, Bilder und Klänge aus der Dunkelheit eines Eisenbahnwaggons…Eine fiktive Inszenierung des letzten Weges des jüdischen Arztes, Dichters und Pädagogen Janusz Korczak und seiner Waisenhauszöglinge)                                   Eine Produktion mit dem Komponisten Matthias Grimminger, dem Pianisten Piotr Oczkowski und dem Maler Itzchak Belfer


Korczaks Koffer – szenische Gepäckstücke der etwas anderen Art

(Uraufführung: Ichenhausen 2003)

(Daten und Texte des polnisch-jüdischen Pädagogen Janusz Korczak / Henryk Goldszmit: Satzgepäck, Botschaftsgepäck, nachgetragene Meldungen… Ein Spiel mit den Kategorien von Groß und Klein. Wir blicken auf Korczak als den absurden Dramatiker, den skurrilen Ratgeber und sonderbaren Erzieher, den dadaistischen Beter, den augenzwinkernden Journalisten und und und…)


Erinnerungen. Aus der Ghettozeit von Janusz Korczak

(Uraufführung: Augsburg 2005)


Die kleine Republik. Aus dem Waisenhaus von Janusz Korczak.         Erzählungen mit Percussion

(Uraufführung: Düsseldorf  2009)

Im dichten Schneegestöber erwacht das Waisenhaus in der Warschauer Krochmalnastraße 92. Janusz Korczak fliegt die Idee einer Zauberer-Geschichte durch den Kopf…Bis zu den letzten Zeilen in Tagebuch des Gettos fällt das Licht in verschiedene Räumlichkeiten des Hauses und gibt einen einprägsamen Blick auf das Leben seiner Bewohner frei…

„Die kleine Republik“ ist die fünfte Produktion des Experimentellen Theaters Günzburg über Janusz Korczak.

Die Geschichten sind den ehemaligen Zöglingen Korczaks gewidmet:               Leon Harari (1914-1995; Kinderredakteur der “Kleinen Rundschau”) Itzchak Belfer (geb. 1923; Zögling des Dom Sierot von 1930-1938), Shlomo Nadel (geb. 1920; Zögling des Dom Sierot von 1927-1935) und Jacques Dodiuk (1920-2004; Zögling des Dom Sierot von 1928-1934)

Die Erzählungen verweisen auf scheinbar alltägliche Ereignisse aus Korczaks Waisenhaus, bringen jedoch zentrale pädagogische Anliegen zur Sprache und können so als Folie zur Kinderrechts- und Erziehungsdiskussion gelten. Gleichsam als „roter Faden“ ziehen sich dabei auch Elemente aus Korczaks Kinderbuch „Kajtuś, der Zauberer“ durch die Erzählungen – eine Hommage an Korczaks Fantasie.

Im „Korczak-Jahr 2012“ (100 Jahre Waisenhaus in der Krochmalnastraße und 70. Todestag von Janusz Korczak) erschien das Stück als Buchfassung.

REZENSION: „ Dieses Buch (mit wunderbaren Illustrationen von Jakob Steiger) sollte zur absoluten Grundlagenliteratur für alle Schüler/innen und Studierenden der Pädagogik und Psychologie gehören. Gleichzeitig sollte jede elementarpädagogische Fachkraft diese Publikation lesen, um zu erfahren, was im Leben und in einer kindorientierten Pädagogik wirklich zählt.“

Prof. Dr. Armin Krenz, Kiel


Der Blick ins Freie.                                                                                           Künstlerische Positionen im Diskurs mit Janusz Korczak.                              Deutsch-iraelische Wander-Ausstellung mit Vernissage-Programm

(Uraufführung: Straubing  2014)

 

In Kooperation mit der Deutschen Korczak-Gesellschaft, dem Experimentellen Theater Günzburg, den Künstlern Itzchak Belfer (Tel Aviv) sowie Jakob Steiger (AdbK München) entstand diese Wanderausstellung im Rahmen von “Wir sind Straubing” (Mitarbeit Roman Schaffner).

Neben dem Wirken Janusz Korczaks steht ein künstlerischer Diskurs anhand von insgesamt 16 großformatigen Bildern zwischen dem ehemaligen Waisenhauszögling Korczaks, Itzchak Belfer, sowie dem jungen Künstler Jakob Steiger im Mittelpunkt.

Auf weiteren 11 Rollups werden Biografisches, Informatives sowie wesentliche Kernaussagen Korczaks in einem lyrischen Kontext aufgegriffen.

siehe auch unsere Publikationen zu Janusz KORCZAK